Kinder helfen bei der Leseforschung mit dem Eye Tracker

Kinder der Leopoldschule helfen bei einem Projekt zur Leseforschung, das seit April 2019 an der DHBW Karlsruhe durchgeführt wird. Ihre Aufgabe ist es dabei, ein Tierrätsel auf dem Laptop zu lesen und die Tiere zu erraten, während der Eye Tracker, eine Blickaufzeichnungskamera, die Augenbewegungen der Kinder verfolgt. Durch die Erfassung der Blicke lässt sich Lesedauer und Leserichtung (auch Richtungswechsel) messen.

In einem ersten Schritt soll herausgefunden werden, inwiefern sich die Lernkurve für verschiedene Wortmuster über die ersten Jahre hinweg entwickelt. Dazu wurden die Worte analog zur „Phonics“-Methode aus dem angelsächsischen Sprachraum nach Schwierigkeitsstufen in Gruppen eingeteilt:

Das einfachste Muster findet sich in einem zweisilbigen Wort (Trochäe) mit Betonung auf der ersten Silbe (z.B. raten, Besen). Bei diesem Wortmuster ist die Entrophie zwischen dem geschriebenen und dem gesprochenen Wort am geringsten. D.h. es gibt beim Dekodieren kaum unterschiedliche Möglichkeiten, die Buchstaben in Laute umzuwandeln. Auch bei der Verschriftlichung des Wortes ergeben sich so wenig Variationen wie möglich.

Die zweite Schwierigkeitsstufe umfasst die gleiche Wortstruktur, in der jetzt aber einem kurzen Vokal Doppelkonsonanten(-Buchstaben) folgen. Im Deutschen dient der verdoppelte Konsonantenbuchstabe dazu, den vorhergehenden Vokal zu kürzen (z.B. Ratten, Betten).

Eine gesonderte Rolle nehmen dabei hochfrequente Wörter ein. Diese decken ca. 50% eines normalen deutschen Textes ab. Sie kommen häufig vor, haben oft nur eine Silbe und sind relativ kurz (<5 Buchstaben). Darunter fallen Wörter wie „wenn“, „aber“, „und“ etc. Diese Wörter werden aufgrund der häufigen Exposition relativ bald von den Leseanfängern nicht mehr dekodiert sondern ganzheitlich als Bild erfasst.

Hochfrequente Worte sollten daher am Anfang schwerer zu lesen sein, danach aber ganzheitlich erfasst werden und somit auch sehr schnell gelesen werden können. Zudem sollten einfache Wortmuster der Stufe 1 von Anfang an schneller gelesen werden können, auch für die schwächeren Kinder. Komplexere Wortmuster sollten eher für starke Kinder schnell erlesbar sein, aber für die Schwachen ein Problem bleiben. Die schwachen und starken Leser sollten sich also genau an dieser Wortart am schnellsten auseinanderentwickeln.

In einem zweiten Schritt geht es dann darum zu untersuchen, ob Muster schneller erkannt und gelernt werden, wenn die Texte für den Erwerb der Lese- und Rechtschreibfähigkeiten nach diesem System aufbereitet werden. Auf dieser Basis kann dann eine Empfehlung abgeleitet werden, welche Texte Grundschulkindern vorgelegt werden sollen, um das Lesen möglichst effizient zu erlernen und gleichzeitig wesentliche Rechtschreibkompetenzen zu erwerben. Dabei bezieht sich die Empfehlung sowohl auf die Wortwahl entsprechend der definierten Schwierigkeitsklassen innerhalb der Texte als auch auf die Reihenfolge der Texte.

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